Chinesische Online-Shops: Jeder zweite Österreicher kauft bei Temu, Shein und Co. ein

Chinesische Online-Shops: Jeder zweite Österreicher kauft bei Temu, Shein und Co. ein

WIEN. Ein neuer Trend erobert den österreichischen Online-Handel: Jeder zweite Online-Shopper kauft auf chinesischen Billig-Plattformen ein. Die steigende Teuerung hat diese Entwicklung zusätzlich befeuert. „Temu ist erst im letzten Jahr in den österreichischen Markt eingestiegen und hat innerhalb kürzester Zeit eine bemerkenswerte Marktdurchdringung erreicht“, so Handelsexperte Ernst Gittenberger von der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz.

Eine JKU-Umfrage unter 1000 Befragten zeigt, dass fast die Hälfte der österreichischen Online-Shopper in den letzten 12 Monaten auf chinesischen Plattformen eingekauft hat. Besonders beliebt sind Temu, AliExpress und Shein. Von Temu allein werden täglich 30.000 Pakete nach Österreich geliefert.

Hauptzielgruppe: Junge Frauen

Die Hauptzielgruppe dieser Plattformen sind junge Frauen im Alter von 16 – 24 Jahren, die vor allem günstige Mode und auch Kosmetik kaufen. „Die Teuerung hat diese Plattformen auf fruchtbaren Boden fallen lassen“, erklärt Gittenberger. Während der Anteil der Onlineausgaben am gesamten Einzelhandel in Österreich im vergangenen Jahr auf 9,8 Prozent sank, bleibt der Trend zu chinesischen Online-Shops steigend. Schätzungen zufolge lagen die Ausgaben bei diesen Plattformen zwischen Mai 2023 und April 2024 bei 600 bis 750 Millionen Euro, was 7-9 Prozent der gesamten Online-Ausgaben der Österreicher entspricht.

Qualität und Lieferzeiten – Herausforderungen

Christoph Teller, Vorstand des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der JKU, sieht keine radikale Veränderung im Konsumentenverhalten durch die chinesischen Anbieter. „Wir sind durch Amazon geprägt und werden diesen hohen Servicestandard beibehalten.“

In der Umfrage wurden schlechte Warenqualität und lange Lieferzeiten als die stärksten Probleme beim Kauf auf chinesischen Plattformen genannt. Dennoch locken die große Auswahl und die günstigen Preise viele Käufer an. Die chinesischen Plattformen stehen zunehmend in der Kritik wegen schlechter Qualität, nicht erhaltener Sendungen, der schlechten Klima- und Umweltbilanz ihrer Produkte sowie manipulativer Verkaufstechniken. Erst kürzlich hat die EU-Kommission die Regeln für Shein verstärkt.

Ungleiche Wettbewerbsbedingungen kritisiert

Heimische Händler und Interessenvertreter beklagen ungleiche Wettbewerbsbedingungen. Nur 2% der Pakete aus China werden am Zoll kontrolliert, bemängelt Handelsobmann Rainer Trefelik. Er fordert, das für 2028 geplante Ende der 150-Euro-Zoll-Freigrenze vorzuziehen, um fairere Bedingungen für heimische Händler zu schaffen.

– Teil mit dem Welt –

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

– Empfholene Beiträge –